Finanzkrise: die Reformen

Die Finanzkrise 2007/8 rührte aus der „Umwertung aller Werte“ seit 1945: vom Sparen zum Schuldenmachen.
Die alte, solide Welt vor dem Zweiten Weltkrieg sparte an, gründete dann Unternehmen, oder kaufte im Haushalt, was nötig war. Der Staat erzielte möglichst eine ausgeglichene Rechnung.
Das alles wurde aber vorsätzlich, mit falschen Theorien, über Bord geworfen. Beginnen wir mit dem Banken- und Kreditsystem.
Die Finanzkrise bestand in einem Geldinfarkt zwischen den grossen Banken. Denn das Bankensystem schöpft selbst über Kredite das Geld:
Die Sparer und Firmen legen Notenbankgeld auf den Banken ein. Diese leihen den grösseren Teil davon als Kredite weiter, mit diesen bezahlen die Kreditnehmer ihre Käufe auf anderen Banken, diese leihen wieder weiter – das Bankensystem schafft Einlagen, Kredite, Geld. Doch wenn ein grosser Schuldner, wie Lehman Brothers 2008, nicht mehr zahlt, ziehen alle das Geld von einander ab, das ist der Geldinfarkt.
Als Folge liefen in der Finanzkrise 2008 die Banken mit nur 2% Eigenkapital auf Grund. Alle anderen Bilanzposten waren vom Bankensystem aus Krediten reihum geschaffen worden. Aus dem Eigenkapital war ein Hebel von 50 geworden. Heute, nach vielen Reformen, haben die Grossbanken einen Hebel von immer noch 30 mal. Das aber wurde uns vor 45 Jahren an der Universität eingebläut: die Anlagen der Firmen, und damit der Volkswirtschaft müssen nicht mühsam aus Voraussparen wachsen, sondern aus Krediten neu geschöpften Geldes des Banksystems. Ebenso propagierte die nobelpreisgekrönte Lehre des Oekonomen Modigliani und anderer, ob eine Firma sich mit Eigen- oder Fremdkapital finanziere, mache keinen Unterschied. Eigenkapital koste an sich auch, und angereizt mit Krediten wachsen die realen Anlagen nachher dem Geld nach, kein Problem. 
Doch wenn es dann einmal kriselt, wenn die Gewinne zur Verzinsung fehlen, wird das dennoch zum Problem. Die Firmen, die Banken, die Volkswirtschaft wurden krisenanfälliger, man kann Verluste nicht mehr aus Reserven wegstecken und dann wieder wachsen. Die Schulden drücken weiterhin in den überladenen Bilanzen, niemand investiert mehr.
Alles liegt darnieder, Reihenkonkurse, auch der Banken, drohen.
Die grosse Wende – der Defizit-Staat als Retter 1936
Gemäss der Lehre des englischen Professors John M. Keyes von 1936 galt es, durch Staatsdefizite die Nachfrage anzukurbeln, als letzter Nachfragestützung. Der Kredit soll also am Anfang der Tätigkeiten stehen.
Die Finanzpolitik des Staates wurde instrumentalisiert – erstmals durch die Regierung Kennedy 1962/3 mit Steuersenkungen, dann im der „Feinsteuerung“ durch den Finanzminister Schiller in Deutschland der 70er Jahre, dann wurde das Geldausgeben von der Politik überall als legitime Ausrede für Defizite und Schulden entdeckt. Gespart in guten Zeiten und zurück bezahlt, wie Keynes hoffte, wurde nie. Der Bietwettbewerb der Parteien in parlamentarischen Demokratien und der ihn legitimierende Keynesianismus versenkten die westlichen Staaten in uneinbringliche Schulden.
Neben dem Staat – die Notenbanken als Systemretter
In solchen Krisen übernahmen die Notenbanken als letzte verbliebene Kreditgeber und ursprüngliche Geldquelle viele von den Banken deren erteilte Kredite oder andere Guthaben und gaben neues Geld dafür. Das stabilisierte das System. 
Doch Haushalte, Hausbesitzer, Firmen und vor allem die Staaten waren 2009 höher verschuldet denn je, und die Notenbanken glaubten, nicht aufhören zu können. Um die Wirtschaft anzutreiben, kauften sie enorme Mengen an Staatsschulden auf, aber auch Hypothekenpakete, die Europäische Zentralbank sogar Dutzende Milliarden an Unternehmensanleihen. Die Kurse dieser Wertpapiere stiegen, und gemessen daran sanken die Zinsen.
Die Geldversorgung wurde zur Geldschwemme, zur Intensivstation für das Banken- und Kreditwesen, für überschuldete Staaten und Konsumenten.
Die Banken verkauften zwar Staatstitel, Hypotheken und Unternehmensanleihen an die Notenbanken, sie parkierten das erhaltene Geld aber auf Konten dort. Die Wirtschaft verlangte nicht mehr Kredite, obwohl die Zinsen gegen Null sanken. Um dennoch das geschaffene Geld in die Wirtschaft zu treiben, verhängten mehrere Notenbanken Negativzinsen darauf (die Schweizerische Nationalbank eher, um das Geld aus dem Franken zu treiben). Weil diese Amputation nicht funktioniert und schärfere Negativzinsen das Publikum zum Horten in Notenbankgeld zuhause verleiten, werden sogar Bargeldverbote verhängt. Es herrscht „finanzielle Repression“.
Einzige tangible Folge des Geldschöpfens war die dramatische Aufwertung aller Wertpapiere, Häuser und weiteren Anlagen. Auch darin sind die Notenbanken jetzt gefangen – normale Zinsen und knapperes Geld würden Trillionen Papierwerte in einem Crash vernichten.
Dank der Geldschwemme musste niemand seine Bilanzen sanieren. 
Früher wäre nach der Finanzkrise eine „balance-sheet recession“ nicht vermieden worden, also eine schmerzliche, mit Konkursen verbundene Abschreibung aller faulen Guthaben. Dabei wären allerdings – und bei normalisierten Zinsen – auch Staatskonkurse angefallen. 
Denn mit z.B. 5% Zinsen auf ihren Schulden, meist in der Höhe des Inlandprodukts, hätten heute alle Euro-Staaten, aber auch die USA und Japan, horrende Budgetdefizite, sähen dafür noch höhere Zinsen für Staatsanleihen, und könnten nicht mehr zahlen. Ausser mit der Nullzinsplitik und Geldschöpfung ihrer Notenbanken. Die Fiskalpolitik ist monetisiert. 
Solidität ist möglich
Schön wäre die solide Zeit des Goldstandards um 1900 und der privaten Notenausgabe, bevor es Notenbanken gab. Die Bank in Zürich etwa hatte 1890 eigene Mittel von 33% der Bilanz, die von ihr ausgegebenen Frankennoten machten 61% aus. Der Barbestand war gemünztes Gold- und Silbergeld der Eidgenossenschaft – alles vorausgespart durch Aktionäre, Einleger, Staat. 
Der „Umkehrung aller Werte“, dem vulgär angewandten Keynesianismus widerspricht die „österreichische Schule der Nationalökonomie“ seit Ludwig von Mises und F.A. Hayek. Ihre Vertreter möchten Banken, welche die Kundengelder direkt in Firmen und Kreditfonds anlegen, nicht Geld schöpfen. Sie würden damit verdienen wie die heutigen Vermögensverwaltungsbanken, und Investmentbanken gäben die Wertpapiere aus.
Die österreichische Schule propagiert das ausgeglichene Staatsbudget, Notenbanken ohne Amputation der Zinsen und Kapitalien der Sparer, möglichst auch Geld auf Gold gebaut, wie es indirekt noch bis 1971 der Fall war. Das diszipliniert die Notenausgabe, damit auch die Kreditvergabe, es kann die Preise senken, wenn Gold knapp ist. Solch glückliche Deflation ist nur für die seit 1945 herrschende Schuldenhuberei problematisch. Sie verträgt sich aber mit starkem realem Wachstum wie 1873-1896. Sie erzwingt und prämiert das Voraussparen. Eine andere Welt. Eine solidere Welt.
Varianten des Ausstiegs aus der Geldschwemme:
Rückkehr zur Solidität: die Notenbank (v.a. jene der USA) steigert die Zinsen langsam, sie hörte bereits mit dem Aufkauf der Staatsanleihen auf. Nun würden höhere Zinsen die Bürger und Firmen zur Bilanz-Sanierung, also zum Sparen und zum Rückzahlen veranlassen, mit der Folge einer leichten Rezession. Ebenso würden die Politiker den Staatshaushalt sanieren und mit den Ueberschüssen die Staatspapiere, die auslaufen, bei der Notenbank abzahlen. Das geschaffene Geld kehrt in die Notenbank zurück und wird eingestampft. Wer all dies erwartet, zahlt einen Thaler.
Konjunktur als endgültige Störung: die Konjunktur hält sich – mit schwachem Wachstum – seit 2009, taucht aber plötzlich ab. Von der heutigen Zinslage und dem vielen geschaffenen Geld aus haben die Notenbanken eigentlich keinen Manövrierraum mehr, also in der klassischen Art wie 2008. Oekonomen fürchten, dass dann mit der ganz grossen (Geld)Kelle angerichtet wird – Helikoptergeld, also Geld frisch ab der Notenbank an den Staatshaushalt für enorme Ankurbelungen, oder an Firmen, oder sogar an Haushalte (z.B. Steuern streichen, wenn der Staat direkt aus der Presse finanziert wird).
Börsen und Immobilien fallen: dies könnte bei stärker gestiegenen Zinsen geschehen, wenn Obligationen wieder attraktiver als – bereits hochbewertete – Aktien werden. Zusammen mit einer allfälligen Konjunkturschäche könnte der Crash eindrücklich werden. Da könnten die Notenbanken versucht sein, direkt Aktien zu kaufen, was die japanische Notenbank heute schon über ETF’s macht und an vielen Firmen schon 10% hält. 
Annullierung der Euro-Schulden: in Europa lässt die hohe Staatsverschuldung in F, I, P, E, Gri, B keine höheren Zinsen zu. Um dennoch die Lage zu normalisieren, könnte die EZB versucht sein, alle Schulden, die sie hält, zu annullieren, oder auf 100 Jahre umzuschreiben etc.
Inflation: übliche Erfahrung aus der Geschichte heisst, soviel neu geschaffenes Geld führt irgendwann zu Inflation. Wenn durch irgend einen Anstoss (Lohnexplosion, Rohstoffpreise, Ueberkonjunktur?) erste deutliche Inflationszeichen aufscheinen und das Geld abgeholt und eingesetzt wird, stellt sich den Notenbanken die Gretchenfrage – auf die Bremse treten? Oder einen Weg suchen, das viele Geld der Banken auf den Konten zu halten? Etwa durch Abzugssperren, hohe Mindestreserven der Banken, durch gute Verzinsung der Konten bei gleichzeitiger Sperre? 
Glückliches, kombiniertes Wursteln: wenn bei anziehender Inflation die oben erwähnten Massnahmen greifen, wenn dadurch die finanzielle Repression verlängert werden kann, wenn durch die Inflation sich die Steuereinnahmen und damit die Budgets der Staaten verbessern, wenn mit gezielten monetären Hilfen wie bei Italiens Banken die Brandherde ausgeblasen werden, dann schrammen wir nochmals am monetären Meltdown vorbei.