Moment, das ist wichtig

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(ganz oben: EU-Paläste)

Ein wenig Weltpolitik: USA und China
In angelsächsischen Oekonomie- und Politologiekreisen werden zwei Thesen diskutiert, welche die Spannungen erklären können - in meinen Worten:
The middle income trap
Länder, die zum Westen aufholen wollten, stagnierten oft auf dessen Lebensstandard der 50er Jahre. Man hatte endlich Kühlschränke, aber man schaffte den Sprung zur Hochtechnik nicht, auch nicht zu wertschöpfenden Diensten, und der Staat blieb undemokratisch und/oder korrupt. Brasilien, Mexico, Argentinien, Venezuela, Südafrika sind in dieser Falle. Chinas Führung liegt schlaflos in den Betten und will dies vermeiden - mit gezielter, staatlicher Technologieförderung, Staatsunternehmen, Ausrichtung auf die Weltmärkte und Bekämpfung der Korruption durch Präsident Xi.
Will man die Spannungen abbauen, muss man dies wissen, und ich denke, Präsident Trump weiss es nicht, geht darum piece-meal  und irrational vor.

The Thukydides problem
Thukydides beschrieb den Machtkampf der vorherrschenden Macht (Sparta) gegen die aufsteigende Macht (Athen) - und später Griechen gegen Perser - und die Geschichte zeigt seither mindestens 16 solche Machtwechsel, von denen 12 in Krieg endeten.
Schweizer, Deutsche seit 1945 wären es gewohnt, solche Lagen mit Diplomatie zu lösen ("man muss sehen, wie man andeinander vorbei kommt"). Die 4 friedlichen Lösungen der Geschichte zeigen, es geht so, wenn man will.
Kissinger kannte solche Lagen, suchte daher das Arrangement mit China. Trump wohl nicht.
Meine Interpretation des geplatzten zweiten Treffens Trump-Kim J. Un (als Trump plötzlich die Ueberstellung aller Waffen und Substanzen Nordkoreas an die USA, anstatt wie üblich in solchen Fällen an einen dritten Garanten, verlangte) geht dahin, dass Trump auch solches nicht wusste, sondern wie in der Geschäftshalbwelt, die früher seine Welt war, bei der Aussicht auf ein Einlenken des Partners sofort noch eine Maximalforderung nachschob, in der Meinung, der andere könne/wolle nicht mehr zurück. Aber der junge Mann aus Nordkorea stand auf und ging.

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Ein Rahmenabkommen Schweiz-EU beendet die Souveränität
(die wir 1648 gegenüber dem Reich gewannen)
1
Die Schweiz muss alle weiteren EU-Rechtssetzungen übernehmen ("dynamisch"), nicht nur in den fünf heutigen Bereichen, sondern in allen künftigen Abkommen. Ein Land, das seine Gesetzgebung unbeeinflussbar dem Ausland überträgt, ist nicht souverän.
2
Der Europäische Gerichtshof hat - trotz aller schönen Prozedurumwege - das letzte Wort. Dieser EuGH duldet keine "fremden Richter", setzt sich seit 1963 selbst über geltendes EU-Recht hinweg und steht im vollen Dienste des "immer engeren Zusammenschlusses" der Brüsseler Bürokratie und der EU als Staat. Soeben billigte er die frivole Geldschöpfung der EZB wieder.
Ausserdem: die Schweiz muss auf jeden anderen Rechtsweg verzichten (WTO, Den Haag, ad-hoc-Schiedsgerichte) und sich dem EuGH der Vertragspartei unterwerfen. Es wäre ein Teil-Austritt aus der WTO.
3
Die "Unionsbürgerschaft" umfasst immer mehr Ansprüche aller Art, die direkt geltend gemacht werden können - künftig auch gegenüber der Schweiz und ihren Sozialeinrichtungen. Zusammen mit der "dynamischen" Interpretation der bilateralen Freizügigkeit wird die Schweiz zum Binnenraum der EU.
4
Aus dem Rahmenabkommen - oder Teilen davon - auszusteigen, wird kaum mehr möglich sein, ohne "brexitähnliche" Verwerfungen zu bringen.
5
Die Schweiz verpflichtet sich, das grundlegende, bisher eigenständige Freihandelsabkommen (einen Solitär der Bilateralen) 1972 mit der EU völlig neu auzuhandeln, die es dann endlich auch unter die Knute des EuGH, des Verzichts auf andere Gerichte und des Paketzwangs brächte!

Schluss: Es wäre das Ende der Souveränität, brächte die Vasallität der Schweiz.
Economiesuisse und andere wollen für ein paar wirtschaftliche Vorteile die institutionellen Werte hergeben (u.a. den Spielraum für wettbewerbliche liberalere Haltungen) - für ein Linsenmus. Ein grober Stragegiefehler!
Ausserdem:  Die zentrifugalen Kräfte in der EU sind entfacht: Die Migrationspolitik Deutschlands hat Schengen und Dublin ausser Kraft gesetzt, Skandinavien entfremdet, die Schulden Südeuropas und Frankreichs werden platzen, Osteuropa bockt, das zweitgrösste Land (UK) geht oder wird bleiben und alles sperren. Ueberall zerfallen die Parteiensysteme. Jetzt abzuschliessen ist der dümmste Moment.