Moment, das ist wichtig

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(ganz oben: EU-Paläste)

Nobelpreis-gekrönte Entwicklungslehre: ziemlich anders, nüchtern

Moralfrei, nüchtern, faktenreich, so forschen die drei mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Oekonomen Banerjee, Duflo und Kremer. In ihrem Werk "Poor Economics" zeigten sie 2011 Fakten und Schlüsse, welche die grossen Entwicklungsgesten der Internationalen Agenturen, etwa der Weltbank und anderer UNO-Töchter, teils auch aus EDA und der NGO's der Schweiz, eher uninformiert aussehen lassen.
Nüchtern etwa diese kurzen Fakten: Menschen in armen Ländern sind nicht einfach "geborene Unternehmer". Ausserdem stossen sie auf enorme Risiken, Barrieren.
Menschen dort haben die gleichen Alltagshürden fürs Wohlergehen wie jene reicher Länder - Informationsmangel, schwache Ueberzeugungen, Verdrängung. Teenage-Mütter sind verbreitet, weil ältere Männer sie ausnützen. Menschen dort müssen unerhörte Konsumverzichte üben, wollen sie sparen - aber Reiche können konsumieren und sparen zugleich. Verbreitet senden Familien nur das gescheiteste Kind zur Schule. Da überall die Familien nach der Schulung eine Regierungsstelle erwarten, kann dieses Kind dann die Familie durchtragen. Schulen in sippengeprägten Ländern begünstigen ausserdem bereits gut gestellte Kinder, auch die Lerninhalte tun dies.

Kann man also nichts verbessern?
Doch, aber man muss diese Motivationen vestehen. Man kann nur lokal wirken, nicht über deren Regierungen. Materielle Hilfe von aussen wird sehr skeptisch bewertet. Hilfe nur an individuell überprüfbare Lagen. Der Micro-Credit ist nicht einfach die Abhilfe, sondern direkte Beratung. Frauen gewinnen durch solche Schemas nicht automatisch, wie oft unterstellt wird. Kleingewerbler müssen elementares lernen, etwa, Haushalt und Kasse zu trennen. Geld für den Schulbesuch steigert die Motivationen. Schuluniformen schützen Mädchen. Geschulte Kinder sind auch gesünder. Die Bauern müssen aus Halbpacht-Verhältnissen befreit werden.
Und wie die moderne Institutionen-Oekonmie - auch jene der anderen Nobelpreisträgerin, Elinor Ostrom - lehrt, sind Institutionen, Einrichtungen, Verfahren zentral.
Dazu bringen diese Experten ein schlagendes Beispiel: in Uganda kamen nur ca. 13% der Regierungsgelder in den lokalen Schulen an. Der Rest versickerte bei korrupten Beamten. Als alle zugesprochenen Beträge mit Zahlen und berechtigter lokaler Schule monatlich in den Zeitungen publiziert wurden, kamen 80% an. Eben: die geltenden Motivationen berücksichtigen...