Moment, das ist wichtig

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(ganz oben: EU-Paläste - „Unsere Ordnung, die wir nennen die Grosse Ordnung und die Wahre Ordnung und die Endgültige Ordnung“ (Max Frisch, „Die Chinesische Mauer“, 1955)

Renten-Ehrlichkeit?

Der spätere Nobelpreisträger Samuelson schrieb schon 1967, "die Schönheit der Rentensysteme ist es, dass sie versicherungstechnisch unhaltbar sind. Jeder im Rentenalter kriegt mehr, als er je einbezahlt hat". Dieses Wissen fehlt jedem AHV-Politiker in der Schweiz (und anderswo) seit jeher. Es bräuchte nämlich eine rasch wachsende Bevölkerung und Wirtschaft dazu. Denn sogar mit 2,1 Kindern pro Frau hält sich die Demographie bloss stabil, doch müssen diese zwei die Rentenlasten der Eltern - und nun bei dramatisch verlängerter Lebenszeit - auch jene der Grosseltern bezahlen. Doch ist der Baby-Boom nach 1972 überall eingebrochen, das Superwachstum der 60er Jahre auch, aber in genau jenen Jahren verdoppelten die Politiker die AHV-Renten. Seither wird mit immer neuen Mehrwertsteuer-Prozenten das Loch zu stopfen versucht.

In der Zweiten Säule legt zwar jeder Versicherte sein Alterskapital selbst ein, doch der "dritte Beitragszahler", die Verzinsung, fällt seit 10 Jahren wegen der frivolen Nullzinspolitik der Notenbanken zugunsten der bankrotten Staaten weg. Weil vor vielen Jahren das Volk den Umwandlungssatz nicht senken wollte, gehen die Politiker das Problem nicht an. Die Kassen nehmen daher von den Einzahlungen der Jungen jährlich 7 Milliarden weg und zahlen die zu grossen Renten der Baby-Boomer. Diese Säule wird von lauter "Sätzen" gesetzlich unrentabel gemacht - Umwandlungssatz, Mindestzinssatz, Anlage-Sätze gegen mehr Aktien etc.

Beide Säulen zusammen übertreffen das "Leistungsziel", also den Ersatz des früheren Einkommens durch Renten deutlich, man zwingt also Alte und Junge, mehr anzusparen und umzuverteilen als seinerzeit versprochen. Das ganz grosse Tabu aber sind unveränderbare Renten. Die über zwei Millionen - im Schnitt reicheren Alten - müssen von den jüngeren, die z.B. durch Corona, schwankende, nicht sichere Einkommen haben, durchgetragen werden: mit eisernem Griff, per Gesetz, das für unabänderbar gehalten wird, was immer real draussen geschieht.

Schweden hat vor Jahren schon die Renten an das Inlandprodukt der Vorjahre und an das Verhältnis Alt/Jung gekoppelt, grob gesagt. Jedenfalls können die Renten auch senken, wenn es den Jungen nicht so gut geht, und wenn die Baby-Boomer ihre "Reproduktion" sträflich vernachlässigten. Verursacherprinzip, Ehrlichkeit, Nachhaltig auf Jahrzehnte hinaus! (e-mail der Bürokraten im Sozial"versicherungs"amt an mich: "wir haben dies nicht studiert").

Demgegenüber sind die zwei Rentensysteme in der Schweiz unehrlich, gekoppelt mit dem Unverständnis der Politker, wie dies technisch überhaupt funktionieren soll, und ihrer Feigheit, vor die Aelteren hinzustehen und zu sagen, es reicht nicht.