Moment, das ist wichtig

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(ganz oben: EU-Paläste)


Ganz unten: wie Draghi seine "Inflation" mit dem Brecheisen schaffen will

Hier zuerst:
Die Alten aufs Bänklein vor dem Haus?

Mit einem "Ueberbrückungseinkommen" will der Bundesrat die älteren Arbeitslosen aus dem Arbeitsmarkt evakuieren. Doch wenn der Staat schon Geld in die Hand nimmt, dann um sie im Arbeitsmarkt zu behalten!
Sehr unbedarft wiederholt die Regierung damit den Fehler der 90er Jahre, als die Konjunkturflaute ein paar junge Arbeitslose schuf. In Panik erlaubte man ihnen, sofort ab Matura oder Uni Taggelder zu beziehen - und siehe da, die Jungarbeitslosen vervielfachten sich innert Wochen, so praktisch war das. Man rechnete und rechnet nicht mit Menschen, die rechnen können...
Die Erwerbsbeteiligung der 50-64-Jährigen in der Schweiz ist (wie in Schweden) rekordhoch: 81% und die Arbeitslosenrate liegt tiefer als der Durchschnitt (jene der 50+ bei 2,5%, und jene der 25-49-Jährigen aber bei 2,8%). Nur dauert die Arbeitssuche der Aelteren etwas länger - ein Grund für Eingliederungsmassnahmen, nicht für Rente!
Ausserdem arbeiten nach 65 noch 17% der Männer weiter, so schlimm kann also die Arbeitsmarktlage nicht sein.
Wenn sich der Bundesrat sorgt, zunehmend kämen ältere Arbeitslose in die lokale Sozialhilfe, dann ist das zwar nicht schön für diese selbst - aber das Netz hält eben. Es braucht kein neues, und erst recht kein neues aus Bundeshand...
Der Bundesrat will uns behandeln wie in Griechenland, wo nur 60% der Aelteren arbeiten, die andern sitzen als alte, verstossene Männlein vor dem Haus, Stock in der Hand, Schirmmütze auf dem Kopf.

(ausserdem wären die Bezugsbedingungen sehr bürokratisch, und erstmals gälte das Vermögen als Vorbedingung - ein Stilbruch in einer Versicherung, wo alle gleiche Rechte haben, ein Stilbruch durch die Regierung selbst. Einmal mehr würde der "Earned Income Tax Credit" solche Probleme lösen, wie für Millionen in den USA).


Draghi - schlechter Oekonom oder trickst er? Er greift zum Brecheisen!

Dass trotz Geldschwemme keine Inflation aufkommt - vorherhand - hat reale, nicht monetäre Gründe, nämlich:
  • "the China price" - billige Produzenten aus Asien treten seit 20 Jahren auf die Märkte
  • der globale Wettbewerb an sich, unter allen Ländern, ist hart, die Distanzen sind durch Container und IT zusammen gezurrt
  • die IT wird immer billiger, Programme wie Apparate
  • die IT hat die Margen, besonders im Detailhandel, komprimiert (e-commerce) - das waren früher oft 50% auf dem Produktionspreis, jetzt fallen sie weg
  • die IT erweitert bestehende Produktionskapazitäten spektakulär, ohne weiteren Anlagenausbau, weshalb die Wirtschaft die geschaffenen Geldmengen nicht als Kredite abholt. Diese liegen auf den Konten der Banken bei den Notenbanken
  • die Gewerkschaften sind still geworden, wegen obenstehenden Drucks auf Preise und Margen
  • die Zinskosten der Unternehmen sind vernachlässigbar geworden, durch Draghis Geldschwemme und verbilligen deren Angebot
  • Draghis Billigzinsen auf "High-Yield"-Anleihen hält Zombie-Firmen am Leben, diese werfen ihr Zeug zu billig auf die Märkte
  • ebenso sind die Zinskosten von Boden und Bauten vernachlässigbar
also: diese Gründe können nicht durch monetäre Blasen aufgehoben werden. Draghi verschweigt den Trick im Hinterkopf: die bankrotten Staaten zu retten.

Dazu kommt nun ein neues Notenbank-Ziel: "price level targeting" oder "symmetry". Es wird zu einem Freibillet für noch massivere Geldschöpfung, damit in einigen Jahren durch viel mehr Inflation als die zwei Prozent pro Jahr ein Preisniveau erreicht wird, wie wenn diese Rate seit 2010 jährlich eingetreten wäre. Seit ca. 3 Jahren munkeln Notenbanker der USA auf Konferenzen darüber, und Draghi hat nun soeben als Ziel eine "Symmetrie" der Inflationsraten verkündet: eben eine Inflationsrate die überschiesst und im Schnitt aller Jahre die 2% nachträglich erreicht.
Die Notenbanker haben sich dazu abgesprochen, hörbar, und alle ducken sich gerne: Wertpapierbesitzer, Defizitpolitiker, verschuldete Unternehmen.

(Uebrigens: Europa erlebte seinen enormen Aufschwung, als 1873-1896 die Preise um gegen 40% sanken - aus den gleichen Gründen, nur muss man "China price" durch Japan ersetzen, IT durch Telegraph und Container durch Dampffrachter, und Globalisierung/WTO durch Cobden-Chevalier-Vertrag 1860 GB/F ... Fallende Preise sind gut, steigern die Kaufkraft, strafen aber Schuldner ab. Das ist der Punkt...)