Moment, das ist wichtig

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(ganz oben: Helvetia - bewundert von den europäischen Mächten)

Rutschbahn des Euro - jetzt kommen Bremse und Gashebel zugleich

Die entsetzliche Inflationsrate setzt den Euro dem Ernstfall aus: anstatt zu reformieren, wird seit 2009 mit immer mehr Geldschöpfung gekleistert (Griechenlandkrise, Cypern, Draghi "What-ever it takes", sowie mit schuldenfinanziertren 1750 Milliarden ersten Eurobonds, für welche u.a. Deutschland "zur gesamten Hand" haften wird. Nun müsste die EZB handeln: PräsidentinLagarde hat die Straffung der Geldpollitik und der Zinsen angekündigt, und schon liefen höhere Zinsen für die überschuldeten lateinischen Mitgliedsländer auf, besonders für Italien. Daher werden zwei Legitimationen für weitere fiskalische Unterstützung der Lateiner vorgetragen, von Lagarde vor dem Ministerrat, anstatt diese Runde zu fiskalischer Verantwortung aufzurufen, und vor dem EU-Parlament: beide Male beruhigte sie die Verschwender mit Aussicht auf wieder mehr Geld. Denn zwei unglaubliche Ausreden sollen dienen: die „Transmission der Geldpolitik“ zwischen allen Staaten müsse gesichert werden (was ist das? hat man das im Dollarraum schon je gehört?) und das Auseinanderdriften der Schuldnerstaaten soll mit einem neuen Instrument gesichert werden. 
Dieses Instrument wird, so verlautet, einmal mehr „Outright monetary transactions“ bringen (also direkte Geldzufuhr an Schuldnerstaaten) sowie die übergewichtete, gezielte Wiederanlage der auslaufenden Staatspapiere aus der EZB in Staatsdefizitpapiere der Schuldnerländer.
Also erneuter, massiver Fiskaltransfer zulasten des Nordens, da die Deutschen nichts merken (ist keine Floskel, sondern es ist so. Das Bundesverfassungsgericht wird, falls dagegen angerufen, einmal mehr sich etwas drucksen, und das Handeln an den Bundestag weiterreichen). Wie so die Inflation fallen soll, bleibt offen.

Diese Ausweglosigkeit (There Is No Alternative, TINA) wurde vom in Deutschlands Medien hochgelobten „Reformer Draghi“ bewusst und macchiavellistisch herbei geführt: er hat die Staatsschulden Italiens innert gut 5/4 Jahren um fast 200 Milliarden Euro hochgetrieben und damit kühl die fiskalische Notlage geschaffen, die nur noch mit weiterem Kleistern zu behelfen ist: TINA.
In Kürze wird Draghi wohl abtreten, die Parteienkoalition wird so wackelig wie jetzt in Frankreich und Spanien werden. The soft underbelly of the Euro wirkt. Deutschland gab die DM für den Euro und bekam die Lira.

Für die Schweizerische Nationalbank wird eine Aufwertung des Frankens dringend, damit wir nicht die Superinflation aus Europa importieren - so werden die Importe billiger. Die SNB hat seit sieben Jahren bis vor kurzem den Franken sogar real abgewertet (!!) und damit eine künstliche Superkonjunktur, hohe Immo-Preise, Aktienhausse, weitere Einwanderung von Arbeitskräften losgetreten. Die riesigen aufgekauften Euro-Summen müssen jetzt verkauft werden, sonst werden wir Teil des sich zersetzenden Euroraums.

22. Juni 2022

Beat Kappeler: "Der Superstaat - von Bürokratie und Parteizentralen und wie man den schlanken Staat zurückgewinnt", NZZ-Verlag, 3. Auflage